Bildung als poetische Erfahrung

Text:

„Was den Menschen eigentlich zum Menschen macht…“

Copyright: Hans-Ulrich Lessing & Volker Steenblock 

 

Peter Bieri

Wie wäre es gebildet zu sein? (2005)

S. 205 

 

[…] Bildung ist etwas, das Menschen mit sich und für sich machen: Man bildet sich. Ausbilden können uns andere, bilden kann sich jeder nur selbst. […]

 

Eine Ausbildung durchlaufen wir mit dem Ziel etwas zu können. Wenn wir uns dagegen bilden, arbeiten wir daran, etwas zu werden – wir streben danach, auf eine bestimmte Art und Weise in der Welt zu sein. […]

 

Man hat die Verantwortung über das eigene Leben noch nicht vollständig übernommen, solange man sich von einer fremden Instanz vorschreiben lässt, wie man zu denken hat über die Liebe, Tod, Moral und Glück.

S. 211

Der Gebildete ist einer, der ein möglichst breites und tiefes Verständnis der vielen Möglichkeiten hat, ein menschliches Leben zu leben.

S. 211

[…] Aber es gibt Erfahrungen des Glücks, die aufs engste mit Facetten der Bildung verknüpft sind: die Freude, an der Welt etwas besser zu verstehen und sich nun besser orientieren zu  können; die befreiende Erfahrung, einen Aberglauben abschütteln zu können; das Glück beim Lesen eines Buches, das einen historischen Korridor öffnet; die Faszination durch einen Film, der zeigt, wie ganz anders es anderswo ist, ein menschliches Leben zu führen; die beglückende Erfahrung, eine neue Sprache für das eigene Erleben zu lernen; die freudige Überraschung, wenn man sich mit einemmal in einem wichtigen Aspekt seinen Lebens besser versteht, als bisher; die überraschende Erfahrung, daß sich mit dem Anwachsen der sozialen Phantasie und der moralischen Sensibilität der eigene innere Radius vergrößert.S. 216

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